Diese Website verwendet Cookies, auch von Dritten, um dir Anzeigen und Dienste zu senden, die deinen Präferenzen entsprechen. Wenn du mehr wissen willst, klicke hier. Wenn du diesen Banner schließt oder auf einen Link auf dieser Seite klickst, stimmst du der Verwendung von Cookies zu.
schließen
Landwirtschaft

Zentrales Thema

Eine Hauptsorge im Zusammenhang mit dem Wiederaufteten der drei großen Beutegreifer Bär, Luchs und Wolf in Österreich ist ein effizienter Nutztierschutz im Alpenraum. Seit die großen Beutegreifer in den letzten 100 Jahren beinahe vollständig ausgerottet wurden, ist es in Österreich üblich im Sommer Nutztierherden unbeaufsichtigt auf den Almen zu halten.

 

Das größte Konfliktpotential hat der Wolf, der schnell lernt sich die am leichtesten verfügbare Beute zu schnappen. Von der Wiederkehr dieser Arten sind Landwirte und Landwirtinnen am direktesten betroffen, da diese leichte Beute unter Umständen Nutztiere sein können. Ein Lösungsansatz kann in einem Kompromiss der Ansprüche der Gesellschaft, die sich mehrheitlich für große Beutegreifer ausspricht und dem unmittelbar betroffenen Bauernstand liegen.
Auch der Bär hat ein gewisses Konfliktpotential, da er manchmal Nutztiere reißt oder Schäden an Bienenständen, Siloballen oder Fütterungen verursachen kann.
Der Luchs ist der einzige große Beutegreifer, der kein Konfliktpotential im Bereich Landwirtschaft hat, da er keine Nutztiere reißt.

 

 

© H. Leitner
© H. Leitner

Almwirtschaft Österreich in Zahlen

Laut der letzten verfügbaren Almstatistik aus dem Jahr 2009, veröffentlicht von der Bundesanstalt für Bergbauernfragen, wurden in Österreich im Jahr 2009 knapp über 8.700 Almen mit einer Gesamt-Almfutterfläche bzw. -Almweidefläche von 450.000 Hektar (entspricht 5 Prozent der österreichischen Staatsfläche) bewirtschaftet. Den größten Flächenanteil hat Tirol mit seinen weitläufigen Hochalmen, gefolgt von Salzburg und Kärnten.

 

Gealptes Vieh 2009:

Rinder 276.000

Pferde 9.600

Schafe & Ziegen 126.800

© pexels.com
© pexels.com

Welche Lösungen gibt es?

Großräumig gesehen sind die von den wenigen Beutegreifern in Österreich momentan verursachten wirtschaftlichen Schäden (noch) vernachlässigbar. Lokal kann es dagegen für die betroffenen Landwirte und Landwirtinnen wirtschaftlich und emotional ein schwerer Schlag sein.

 

Behirtung, Herdenschutzhunde und Zäunungen werden zu unverzichtbaren Bestandteilen des Schutzes der Viehherden vor großen Beutegreifern in den Alpen. Die Maßnahmen bringen neben dem Schutz der Tiere weitere Vorteile mit sich: Kranke und verletzte Tiere können schneller erkannt werden, die Beweidung kann gleichmäßiger und der Abtrieb am Saisonende schneller erfolgen. In Nachbarländern wie der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien und Slowenien gibt es bereits erste Erfahrungen und Forschungsprojekte zum Herdenschutz (siehe Literatur).

 

Ein Modellprojekt in Kals in Osttirol hat aufgezeigt, dass aus wirtschaftlicher Sicht eine Behirtung sowie Herdenschutzhunde erst ab einer Herdengröße von ca. 500 Stück Sinn macht. In Österreich sind die aufgetriebenen Herden meistens kleiner. Eine Zusammenlegung mehrer Herden wäre daher sinnvoll. In Kals hat dies nur teilweise funktioniert, ebenso wie die Integration von Herdenschutzhunden in für sie fremde Herden.

 

Um zu verhindern, dass die bestehenden Konflikte eskalieren, braucht es in Österreich sinnvolle Management- und Präventionsmaßnahmen.
Von Seiten der Almwirtschaft wird jedoch derzeit ein wolfsfreier Alpenraum gefordert. Allerdings würden solche  Zonen geltendem EU-Naturschutzrecht sowie der Gesetzgebung der österreichischen Bundesländer widersprechen. Die Umsetzbarkeit und Sinnhaftigkeit dieser Forderung ist zudem in Frage zu stellen, da der Wolf auf seinen Wanderungen bis zu tausend Kilometer zurücklegen kann.

Gibt es staatliche Förderungen für Präventivmaßnahmen?

Zum jetzigen Zeitpunkt (2017) werden weder von den Ländern noch vom Bund Förderprogramme für präventive Herdenschutzmaßnahmen wie Zäunung, Behirtung oder dem Einsatz von Herdenschutzhunden angeboten.

 

In der Schweiz, die sich bereits deutlich länger mit der Thematik große Beutegreifer auseinandersetzen muss, finanziert beispielsweise das Bundesamt für Umwelt technische Maßnahmen zum Herdenschutz (den Zusatzaufwand für Großraubtierschutz). Zudem wird die Haltung und der Einsatz von Herdenschutzhunden mit jährlichen Unterstützungszahlungen gefördert. Um Konflikte mit Wanderern zu minimieren, werden 80 Prozent der Materialkosten zum Auszäunen von Wanderwegen beim Einsatz von Herdenschutzhunden vom Bund finanziert. In Österreich besteht diesbezüglich noch Handlungsbedarf.