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Biologie des Wolfes

Aussehen

Der Wolf ist der größte Vertreter der Hundeartigen in Mitteleuropas freier Wildbahn. Seine Statur gleicht einem Deutschen Schäferhund, wobei er mit einer Schulterhöhe von bis zu 80 cm deutlich höher ist. Sein  Kopf ist größer, die Stirn breiter und die Ohren kürzer als bei seinem domestizierten Verwandten. Wölfe sind auch langbeiniger und haben größere Pfoten als ein Schäferhund.

 

Die Färbung des europäischen Wolfes ist meistens graubraun mit einem hellen Sattelfleck auf der Schulter, welcher nach unten hin dunkel abgegrenzt ist. Der Schwanz wird nach unten hängend getragen und endet in einer schwarzen Spitze. Die Männchen sind etwas größer und schwerer als die Weibchen. Die Jungtiere wachsen schnell und sind bereits mit zehn Monaten kaum mehr von den Alttieren zu unterscheiden.

Der Kopf des Wolfes ist größer, die Stirn breiter und die Ohren kürzer als beim domestizierten Hund. (© B. Schön)
Der Kopf des Wolfes ist größer, die Stirn breiter und die Ohren kürzer als beim domestizierten Hund. (© B. Schön)

Lebensraum und Lebensweise

Der Wolf ist sehr anpassungsfähig und kann so verschiedene Lebensräume wie die arktische Tundra und Steppen bis hin zu Wüsten bewohnen. Diese Eigenschaft macht es ihm auch möglich ohne weiteres Kulturlandschaft zu besiedeln.

 

In Mitteleuropa bildet der Wolf kleine Rudel, bestehend aus dem engsten Familienverband. Jedes Rudel beansprucht ein eigenes Revier, das je nach Nahrungsangebot unterschiedlich groß ausfallen kann. Ein geeigneter Wolfslebensraum bietet Nahrung, Wasser und ungestörte Rückzugsgebiete, in denen sich die Tiere erholen und vor allem ihre Jungen aufziehen können. Die durschnittliche Reviergröße der Wolfsrudel beträgt z.B. in Sachsen 25.000 Hektar.

Der Wolf lebt im Familienverband und hat ein komplexes und fein abgestimmtes Sozialverhalten. (© B. Schön)
Der Wolf lebt im Familienverband und hat ein komplexes und fein abgestimmtes Sozialverhalten. (© B. Schön)

Ernährung

Der Wolf ist ein Fleisch- und Aasfresser. Den Hauptanteil der Nahrung des Wolfes machen zu ca. 90 Prozent Huftiere aus. In Österreichs Wäldern sind das in erster Linie Rothirsche, Rehe und Gämsen. Er verschmäht auch kleinere Beutetiere wie Mäuse, Hasen oder Füchse nicht. Gelegentlich fressen Wölfe auch Früchte, Insekten und Reptilien.

 

Bietet sich die Gelegenheit, erbeutet der Wolf als Nahrungsopportunist auch Nutztiere. In der Natur kann es vorkommen, dass der Hetzjäger wochenlang keine Beute fängt, daher wird jede Möglichkeit Beute zu machen wahrgenommen. Fliehendes Vieh löst diesen Instinkt immer wieder aufs Neue aus, wodurch es vorkommt, dass mehr Tiere gerissen als genutzt werden können. Diese Vorgehensweise brachte ihm das menschlich gefärbte Prädikat "blutrünstig" ein.

 

Ein erwachsener Wolf benötigt durchschnittlich zwei bis drei Kilogramm Fleisch pro Tag, wobei er sowohl wochenlang fasten als auch nach einer erfolgreichen Jagd zehn Kilogramm auf einmal fressen kann. Kleinere Beutetiere wie Hasen oder Frischlinge werden meistens im Ganzen verzehrt. Von einem erbeuteten Rothirsch bleiben durchaus Teile übrig, von denen wiederum Rabenvögel, Füchse, Marder oder Wildschweine profitieren.

Also wieviel Stück Schalenwild benötigt ein Wolf pro Jahr? Diese Frage wird seit Jahren versucht anhand des bekannten Wolfsrudel in der Lausitz (D) zu beantworten. Hier kommen Wildökologen zum Schluss, dass pro Wolf und Jahr 67 Stück Rehwild, neun Stück Rotwild und 16 Wildsauen erelgt werden. Rechnet man das auf ein durchschnittliches Rudel mit zwei Elterntieren, zwei Jährlingen und vier halbjährigen Welpen hoch - wobei den Welpen die halbe Nahrungsration angerechnet wird - kommt man auf rund 400 Stück Rehwild, 54 Stück Rotwild und 100 Sauen pro Jahr. Setzt man diese Zahlen mit der durchschnittlichen  Fläche eines Wolfsrudels von 25.000 ha in in Bezug, kann man errechnen, wieviel Stück Schalenwild ein Wolfsrudel pro 100 ha im Jahr entnimmt: 1,6  Rehe, 0,22 Stück Rotwild und 0,4 Sauen - das sind  2,22 Stück Schalenwild/100 Hektar insgesamt. 

Die genaue Berechnung ist im Artikel "Wölfe und Schalenwild" nachzulesen.

 

Der Schalenwildbestand in Mitteleuropa ist um vieles höher als noch im 19. Jahrhundert und bietet dem Wolf ausreichend Nahrung.

Huftiere, wie das hier abgebildete Rehwild, machen 90 % der Ernährung des Wolfes aus. (© G. Blum)
Huftiere, wie das hier abgebildete Rehwild, machen 90 % der Ernährung des Wolfes aus. (© G. Blum)

Fortpflanzung und Rudelbildung

Die Paarungszeit der Wölfe fällt in den Zeitraum Jänner bis März. Die Wölfin bringt nach einer Tragezeit von ca. 63 Tagen durchschnittlich drei bis acht Welpen in einer Wurfhöhle zur Welt. Die Jungtiere kommen bereits behaart, aber blind zur Welt und sind ganz von der Fürsorge des Rudels abhängig. In den nächsten zwölf Wochen werden sie in der Höhle gesäugt. Mit drei Monaten bringt die Mutter die Jungtiere zu sogenannten Rendezvous-Sites. Hier bleiben die Kleinen während das Rudel auf Jagd geht. Obwohl sich an der Jungenaufzucht das ganze Rudel beteiligt, ist die Jungensterblichkeit hoch. Als Voraussetzung für eine erfolgreiche Jungenaufzucht gelten ungestörte Gebiete.

 

Ein Rudel besteht aus den Elterntieren, den diesjährigen Jungen und einigen Jungwölfen aus den vergangenen Jahren. Diese verlassen meist bei Eintritt der Geschlechtsreife mit ein bis zwei Jahren das Rudel, um ein eigenes zu gründen. Dabei gehen sie auf Wanderschaft und legen bis zu 1.000 Kilometer zurück, um einen geeigneten Partner zu finden. Ein Beispiel dafür ist der besenderte Wolf Slavko, der seine Wanderung in der Nähe von Triest begann, über Kärnten, die Steiermark, Salzburg und Osttirol nach Italien gelangte und im Bereich des Gardasees seine Julia fand.

 

Ein durchschnittliches mitteleuropäisches Wolfsrudel besteht am Jahresende aus ca. acht Tieren: zwei Elterntieren, vier Welpen und ein bis zwei Jungwölfen.

 

Heulen dient der Teambildung im Rudel und der Kommunikation über große Distanzen. (© G. Ries)
Heulen dient der Teambildung im Rudel und der Kommunikation über große Distanzen. (© G. Ries)