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Biologie des Luchses

Aussehen

Eine Schulterhöhe von bis zu 70 Zentimetern und eine Körperlänge von über einem Meter machen den eurasischen Luchs zur größten Raubkatze Europas. Charakteristisch für alle Luchse ist der Backenbart, die schwarzen ca. vier Zentimeter langen Ohrpinsel und ein Stummelschwanz. Seine langen Beine und großen Pfoten erleichtern ihm das Vorankommen in Schneelagen. Die Vorderläufe sind dabei etwas kürzer als die Hinterläufe, was dem Luchs ein etwas nach vorne geneigtes Aussehen verleiht.

 

Die Fellfarbe geht von rötlich-braun bis grau-beige und ist mehr oder weniger deutlich mit schwarzen Flecken oder Rosetten gemustert. Die rötlich-braunen Luchse besitzen dabei meistens eine deutlichere Fleckung als die grau-beigen, die gänzlich ungemustert wirken können. Die Fellzeichnung des Eurasischen Luchses ist bestens dafür geeignet vor dem Hintergrund eines laubbedeckten Waldbodens beinahe zu verschwinden.

© B. Schön
©  B. Schön

Lebensraum

Waldreiche Gebiete mit genügend Deckung für die Jagd sind der bevorzugte Lebensraum des Eurasischen Luchses. Offene Landstriche, wie Felder und Wiesen meidet er zwar in der Regel, aber in einigen Gebieten ist er auch in offeneren Lebensräumen anzutreffen. Zu diesen zählen zum Beispiel die Halbwüsten in Zentralasien oder die baumlose Tundralandschaft im Norden Sibiriens. Selbst im Gebirge oberhalb der Baumgrenze gibt es Luchse. In echten Wüsten ist er dagegen nicht anzutreffen, auch dicht besiedelte Gebiete werden von dem scheuen Tier gemieden.

Lebensweise

Typisch für alle Katzenartigen zieht der Europäische Luchs als Einzelgänger umher. In Mitteleuropa beansprucht er dabei ein Revier mit durchschnittlich 5.000 bis 30.000 Hektar. Die Größe eines Revieres wird vor allem von der Beutedichte bestimmt und variiert daher von Gebiet zu Gebiet. Jeder ausgewachsene Luchs beansprucht ein eigenes Revier, welches er durchstreift, wobei die Reviere der Männchen deutlich größer sind als die der Weibchen. Gleichgeschlechtliche Artgenossen werden im eigenen Revier nicht geduldet, wohl aber ein potentieller Paarungspartner. So kommt es, dass das Revier eines Männchens meistens ein bis zwei Reviere von Weibchen überlappt.

 

In den meisten Teilen seines Verbreitungsgebietes ist der Luchs vor allem in den Morgenstunden und in der Nachtzeit aktiv. Gejagt wird vor allem in der Abenddämmerung. Die Jagd auf eine bestimmte Beute kann dabei Stunden oder gar Tage dauern.

Ernährung

Als reiner Fleischfresser stehen in heimischen Wäldern vor allem Reh und Gämse auf dem Speiseplan des Luchses. Gelegentlich wird auch ein Fuchs, ein Hase oder auch ein Nutztier wie Schaf oder Ziege erbeutet. Der Nahrungsbedarf eines ausgewachsenen Luchses beträgt ca. zwei Kilogramm Fleisch pro Tag bzw. rund ein Reh pro Woche. Damit kommt auf einen Luchs pro Jahr eine ungefähre Beuteanzahl von 50 Rehen. Führende Weibchen benötigen etwas mehr.

Setzt man diese Zahl mit der Fläche des von einem Luchs in ANspruch genommenen Reviers in Verhältnis, so erhält man bei einer Reviergröße von 5.000 ha eine Durchsnittsmenge von einem Reh pro 100 ha pro Jahr. Bei einem Streifgebiet mit einer Größe von 30.000 ha reduziert sich diese Zahl aufgerundet auf 0,2 Rehe/ 100 ha/ Jahr.

 

Beinahe lautlos schleicht sich der effiziente Jäger in Deckung an seine Beute an und überwältigt sie meistens nach einem kurzen Sprint durch einen Kehlbiss. Die Beute wird nicht auf einmal verspeist, sondern in mehreren aufeinander folgenden Nächten.

 

Der Luchs verfügt über ausgezeichnete Sinne. Seine Augen sind bei Nacht ungefähr sechsmal so lichtempfindlich wie die des Menschen. Eine im Laub raschelnde Maus hört er bereits aus einer Entfernung von 65 Metern, Rehe sogar auf bis zu 500 Meter Distanz.

 

Auch Gämsen zählen zu den bevorzugten Beutetieren des Luchses (© H. Leitner)
Auch Gämsen zählen zu den bevorzugten Beutetieren des Luchses (© H. Leitner)

Fortpflanzung

Das Revier eines Luchsmännchens überschneidet oft ein bis zwei Reviere von Luchsweibchen. In der Paarungszeit von Februar bis April sucht der Kuder, wie der männliche Luchs auch genannt wird, die Katze auf. Nach der Paarung und einer Tragezeit von ungefähr 70 Tagen bringt jedes Luchsweibchen durchschnittlich zwei bis drei Jungtiere geschützt in einem Versteck zur Welt. Bis in den November werden die Jungtiere gesäugt, beginnen aber bereits mit ca. neun Wochen ihrer Mutter zu den Beuterissen zu folgen.

 

Mit elf Monaten vertreibt die Mutter ihre Nachkommen in die Selbstständigkeit. Die Jungtiere müssen sich nun auf die Suche nach einem eigenen Revier begeben. Diese Zeit überleben viele der Jungluchse nicht. Nur mit einem etablierten Revier mit einem ausreichend hohen Schalenwildbestand kann ein Luchs am Leben bleiben und sich mit zwei Jahren (Weibchen) bzw. drei Jahren (Männchen) selbst wieder fortpflanzen.

© G. Rauer
© G. Rauer
Die langen schwarzen Pinsel an den Ohren sind charakteristisch für den Luchs. (© D. Leissing)
Die langen schwarzen Pinsel an den Ohren sind charakteristisch für den Luchs. (©  D. Leissing)
Der Luchs ist ein Überraschungsjäger, der mit Ansitz oder Pirsch seiner Beute nachstellt. (© ?)
Der Luchs ist ein Überraschungsjäger, der mit Ansitz oder Pirsch seiner Beute nachstellt. (©  ?)